Privilegien, die ich als Frau auch gern hätte

Foto: Liza Polyanskaya für Unsplash

Heute zum Feministischen Kampftag, aka Weltfrauentag, habe ich mir einfach mal überlegt, welche Möglichkeiten und Privilegien Männer haben, die ich für uns auch gern hätte.

Abends einfach die Kopfhörer aufsetzen und joggen gehen, ohne vorher den Weg abzuwägen und den Park im eigentlich sicheren Viertel zu meiden.

Nachts durch die Stadt laufen, ohne den Schlüssel zwischen den Fingern zu halten.

Im Sommer das Shirt ausziehen, wenn es heiß ist.

Alleine campen gehen, ohne dass sich alle Sorgen machen müssen.

Im Zug einfach einschlafen.

Irgendwo anhalten und die Nacht im Auto verbringen.

Nach dem Feiern einfach nach Hause laufen, ohne Freundinnen Zwischenstand zu geben und zu sagen, wenn man gut nach Hause gekommen ist.

Alleine reisen, ohne komplett paranoid vorzuplanen und zu überlegen, welche Länder eher nicht gehen.

Zum Arzt gehen und beim ersten Mal ernst genommen werden.

Schmerzen beschreiben, ohne zu hören, dass das bei Frauen eben normal sei.

Einfach altern.

Keine Nebenwirkungen durch Verhütung.

Kinder kriegen, ohne den Job dabei zu riskieren.

Einen Bauch haben, ohne dass jemand fragt, ob man schwanger sei.

Haare abschneiden, ohne eine Erklärung dafür zu brauchen.

Essen, was man will, ohne Kommentar am Tisch.

In einem Meeting oder Panel reden, ohne unterbrochen zu werden.

Eine Meinung vertreten, ohne dass sie sofort aufs Geschlecht zurückgeführt wird.

Direkt und laut sprechen, ohne als aggressiv, schwierig oder “zu bossy” zu gelten.

‘Nein’ sagen, ohne als schwierig oder kalt zu gelten.

Raum einnehmen, ohne dafür komische Blicke zu ernten.

In einem Streit oder einer Diskussion wütend sein, ohne dass die Wut das eigentliche Argument aushebelt.

Auf einer Bühne stehen, ohne dass der erste Kommentar das Aussehen betrifft.

Bücher schreiben, ohne, dass alle direkt davon ausgehen, man schreibe doch sicher Liebesromane.

Ins Büro kommen und als Führungskraft wahrgenommen werden, nicht als Assistenz.

Kompetenz durch die eigene Expertise vorausgesetzt bekommen, ohne sie erst beweisen zu müssen.

Über Gehalt verhandeln, ohne als gierig zu gelten.

Das gleiche wie die anderen Kollegen verdienen.

Aus der Elternzeit zurückkommen und da weitermachen, wo man aufgehört hat.

Befördert werden, ohne dass jemand fragt, ob die Familie da mitmacht.

Einen Fehler machen, ohne dass er stellvertretend für alle im Geschlecht steht.

Im Job als Einzelperson wahrgenommen werden, nicht als Repräsentantin einer ganzen Gruppe.

Nicht dauernd den eigenen Job erklärt bekommen.

Lob annehmen, ohne es sofort zu relativieren.

Zu einer Einladung einfach hingehen, ohne vorher Geschenke oder anderes organisieren.

Krank sein und versorgt werden, statt sich um andere zu kümmern.

Den mentalen Kalender der Familie nicht im Kopf tragen müssen.

Nicht wissen, was zuhause gerade fehlt, weil jemand anderes es im Blick hat.

Sagen, dass man etwas nicht gerne macht, und es dann einfach lassen.

Nach einem langen Tag auf die Couch fallen, ohne schlechtes Gewissen.

Die Wohnung unaufgeräumt lassen, wenn Besuch kommt.

Zum Elternabend auftauchen und gelobt werden.

Die Kinder zur Schule zu bringen und gelobt werden.

Die Kinder hüten, während die andere Person beruflich unterwegs ist, und gelobt werden.

_________ (irgendwas mit Kindern) und gelobt werden.

Kinder haben wollen oder auch nicht, ohne dass das alle etwas angeht.

Mit Mitte 30 Single sein, ohne Mitleid oder Ratschläge zu bekommen.

Weinen, ohne dass es die eigene Glaubwürdigkeit untergräbt.

Emotional sein, ohne als instabil zu gelten.

Sich zu trennen, ohne Angst vor gewaltsamen Konsequenzen zu haben.

Auf einer Raststätte einfach die Toilette aufsuchen, ohne einen sexuellen Übergriff befürchten zu müssen.

Mich an einem Raststättenklo oder sonstigem öffentlichen Klo nicht fünf Stunden anstellen.

Eine öffentliche Toilette vorfinden (!), die ich dann auch benutzen kann.

Im Alter alleine leben, ohne als tragische Figur zu gelten.

Grenzen setzen, ohne als schwierig zu gelten.

Online eine Meinung haben, ohne Drohungen im Postfach zu finden.

Online zocken, ohne das Mikrofon auszustellen, damit niemand das Geschlecht errät.

Auf sozialen Medien aktiv sein, ohne sexuelle Kommentare moderieren zu müssen.

Öffentlich bekannt werden, ohne dass sofort das Privatleben zum Thema wird.

In eine Bar gehen und einfach in Ruhe gelassen werden.

Ein Gespräch beenden, ohne unhöflich zu wirken.

Durch eine Menschenmenge gehen, ohne angefasst zu werden.

Einen Handwerker bestellen, ohne auf Kompetenz getestet zu werden.

Ein Auto kaufen, ohne bevormundet und verarscht zu werden.

Im Krankenhaus alleine über den eigenen Körper entscheiden.

Auf der Straße angesprochen werden, weil jemand nach dem Weg fragt, und wirklich nur das.

Eine Führungsrolle übernehmen, ohne als bossy zu gelten.

Sanft sein, ohne als schwach wahrgenommen zu werden.

Laut sein, ohne als nervig zu gelten.

Als ältere Person im Raum sein und trotzdem gehört werden.

Den eigenen Körper bewohnen, ohne dass er zum politischen Terrain wird.

Eine Freundschaft mit einer Person anderes Geschlechts führen, ohne dass diese Person alle wegen der ‘Friendzone’ bemitleiden.

Im Gespräch unterbrochen werden und einfach weitersprechen.

Eine Expertin sein und als solche vorgestellt werden.

Durch die Welt gehen, ohne permanent im Hinterkopf zu haben, wie man dabei wirkt.

… das fänd ich ganz nett.

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Die tote Frau als Unterhaltung